Am Friedhof 3, 48739 Legden

Düstermühlenmarkt Legden

Alljährlich am letzten Montag im August findet auf dem Legdener Gemeindegebiet der Düstermühlenmarkt, ein Vieh- und Krammarkt, der größte im Münsterland statt.
Außerhalb der Ortslage, in Legden Wehr, direkt an der Dinkel gelegen, zieht der von einer Kirmes ergänzte Markt viele Besucher aus Nordrhein Westfalen, Niedersachsen und den benachbarten Niederlanden an.

Siehe unten:2 Beiträge zum Düstermühlenmarkt sowie 1 Beitrag zur Düstermühle.

Besuchen Sie doch einmal den Düstermühlenmarkt mit einer Übernachtung in der Bed & Breakfast Frühstückspension in Legden. Bei uns treffen sich Marktbeschicker und Besucher des Marktes am Abend wieder.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Kerstin und Ewald Gödde

Kerstin und Ewald Gödde
Kerstin und Ewald Gödde

Düstermühle Legden

Düstermühle Legden

Düstermühlenmarkt – am letzten Montag im August in Legden, Wehr

von Gemeindedirektor a.d. Helmut Deipenbrock

Etwa eine Fußwegstunde vom Dorf Legden liegt an der alten Landstraße von Ahaus nach
Schöppingen, in der Gemeinde Legden gehörenden Bauerschaft Wehr unmittelbar an dem noch
unveränderten alten Flußbett der Dinkel, die Düstermühle.

Im Mittelalter bestand dort ein zum Freigericht Hastehausen gehörender Freistuhl, der wohl als der
eigentliche Ursprung des bis auf den heutigen Tag erhaltenen Düstermühlenmarktes gelten kann.
Zusammen mit dem in der Nähe liegenden Schulzenhof Everding wird die Düstermühle schon 1151
urkundlich als Eigentum des damaligen adligen Damenstiftes Asbeck erwähnt. 1498 ließ die Äbtissin
von Asbeck auf einem zum Schulzenhof Everding gehörenden Grundstück einen Teich graben, der
wohl wegen des wechselnden Wasserstandes an der Dinkel den dauerhaften Mühlenbetrieb sichern
sollte.

An der Kornmühle war früher auch eine Oelmühle verbunden, die aber nicht mehr in Betrieb ist. Der
direkt am Flußlauf der früheren Müllerwohnung gegenüberliegende Kotten wird noch jetzt im
Volksmund „Tünns“ genannt. In alten Urkunden heißt er Oelgetenniers, was wörtlich überstzt „Oel-
Antonius“ bedeutet. Offenbar hat hier der frühere Oelmüller gewohnt.

Auf dem Stein über der Tür der Oelmühle befindet sich eine Inschrift, worin der Name der letzten
Äbtissin von Asbeck verewigt ist: „Freyin Maria, Katharina von Galen vom Hause Ermelinghof,
Äbtissin zu Asbeck, hat diese Mühle von Neuen aufbauen lassen i.J. des Herrn Anno 1799 den 15ten
Oktober“.

Durch den Reichsdeputationshauptbeschluß ging das Eigentum an der Düstermühle auf den Fürsten
Salm-Horstmar als Rechtnachfolger des damaligen Damenstiftes Asbeck über.

Auf dem an der eigentlichen Kornmühle befindlichen Wappen fallen besonders drei linksschreitende
Vögel auf, die auf das Wappen der Familie von Lon oder einer dieser Verwandten hinweisen.

Unmittelbar an der Düstermühle liegt auch das Wohnhaus des früheren Müllers, mit dem seit eh und
je eine Wirtschaft verbunden ist, die noch heute betrieben wird. Der letzte Müller des Fürsten
Salm-Horstmar, Heinrich Dondrup und dessen Ehefrau Christine, geb.Schulte, Legden Wehr,
erwarben durch Kaufvertrag vom 28.09.1962 das Eigentum an allen zur Düstermühle gehörenden
Grundstücken und Gebäuden und zwar bestehend aus dem ehemaligen Müllerwohnhaus mit einer
sogenannten Tageswirtschaft, dem Backhaus, der Scheune mit Stallung, dem Gebäude der
Kornmahlmühle und dem Turbinenhaus der früheren Oelmühle, mit dem diesen Mühlengebäuden
zugeordneten Stau- und Wasserrecht.

Die idyllische Lage der Düstermühle ist auch heute noch das Ziel vieler Ausflügler und Wanderer, die
in der typischen münsterländischen Parklandschaft von der Hektik des Alltages Ruhe und Erholung
suchen und finden. Diesem vor allem in den letzten Jahren erheblich angewachsenen Besucherstrom
hat die Gemeinde Legden durch Anlage eine groß angelegten Wanderwegnetzes, das an
den landschaftlich besonders reizvollen Stellen zum beschaulichen Verweilen und zur kurzer Rast
einlädt, Rechnung getragen.

Nicht zu vergleichen sind die Besucherzahlen jedoch mit dem buntbewegten Treiben, das sich hier
seit alters her alljährlich am letzten Montag im August beim sogenannten „Düstermühlenmarkt“
abspielt. Dann findet nämlich ein auch heute noch weit und breit berühmter Pferde- und
Krammarkt statt, der nachweislich zu den ältesten und zugleich besuchtesten Märkten dieser Art in
der weiteren Umgebung zählt. An diesen Tage und auch an dem voraufgehenden Samstag / Sonntag
haben die Eigentümer der Nachbarhöfe der Bauern Tünns und Rotterdam seit alters her das
Schankrecht.

Wenngleich auch der heute noch beachtliche Pferdeauftrieb nicht mehr die absolut domminierende
Rolle spielt, so hat doch die Anziehungskraft dieses Marktes für die bäuerliche Bevölkerung des
gesamten Münsterlandes, der Grafschaft Bentheim und der angrenzenden Niederlande wegen des
inzwischen lückenlosen Angebotes an landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten und aller zum
landwirtschaftlichen Betrieb gehörenden Bedarfsgegenstände keinerlei Einbuße erfahren. Im
Gegenteil, es ist vielmehr ein permanentes Anwachsen der Besuchezahlen zu verzeichnen, was
schon bald zu einer erheblichen Ausweiting der ursprünlichen Marktfläche zwingen wird.

So hat der Düstermühlenmarkt nicht nur seit vielen Generationen seinen festen Kalenderplatz im
münsterischen Almanach, sondern auch ohne irgendeinen Werbeaufwand im Jahresverlauf der
bäuerlichen Bevölkerung der näheren und weiteren Umgebung. Man trifft sich hier nicht nur zum
Handeln und Kaufen, sondern vor allem mit einer Vielzahl von Verwandten und Bekannten, die man
sonst das ganze Jahr über wegen der betriebsbedingten Bindung an den eigenen Hof nicht sieht. Es
ist geradezu selbstverständlich, dass man sich in der plattdeutschen Mundart „Gaoh die’t
gout bäs neistes Jaohr!“ verabschiedet.

Auffallend ist aber auch die ständig wachsende Beliebtheit des Düstermühlenmarktes bei der
dörflichen und städtischen Bevölkerung der näheren Umgebung. Die Dörfer Legden und Asbeck
wirken am letzten Montag im August schon immer wie ausgestorben, zumal dann, wenn der
Markttag noch in die Ferienzeit fiel.

Das Interesse an diesem Marktgeschehen zeigt sich aber zunehmend auch an der Vielzahl der
Besucher aus den benachbarten Städten und Dörfern, die sich der rein ländlichen Bevölkerung mehr
und mehr verbunden fühlen und als Liebhaber der Kleintierzucht aus dem reichhaltigen Angebot vor
allem Hühner, Enten, Gänse, Tauben und Kaninchen oder gar possierliche kleine Zwerg-Ponys, Zwerg-
Esel oder Zwerg-Ziegen mit nach Hause nehmen.

Ein Besuch auf dem Düstermühlenmarkt lohnt sich also stets – auch dann – wenn man nicht als Käufer
am Marktgeschehen teilnimmt, sonder nur das bunte Treiben, die lautstarken Dialoge und Gesten
beim Pferdehandel und eine deftige münsterlänsdische Mahlzeit genießen will. Schon mancher, der
den Markt ohne Kaufabsichten besuchte, ist aus ihm selbst eigentlich unerklärlichen Gründen mit
einem liebgewonnen Tier am Halfter, am Strick oder aber im Korb wieder nach Hause gegangen,
mit dem festen Vorsatz, im nächsten Jahr wiederzukommen.

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Der Düstermühlenmarkt im Jahre 1948
Erinnerungen an den ersten Markt nach der Währungreform vor 60 Jahren
von Dr.Joseph Schwieters, Münster

August 1948! Vor 10 Wochen am 20. Juni 1948 war die sogenannte „Währungsreform“
durchgeführt worden. Jeder Bundesbürger konnte 60 alte praktisch wertlose RM
(Reichsmark) im Verhältnis 1 zu 1 gegen 60 neue harte DM (Deutsche Mark-West)
umtauschen. Die Bankkonten wurden viel später teilweise im Verhältnis 1 zu 10 umgebucht.
Daher musste jeder zunächst mit diesen 60 DM solange auskommen, bis er
neue Einnahmen wie zb. Gehalt hatte. Für Geschäftsleute war es besonders schwierig.
Sie mussten ihre Waren sofort bezahlen. Das dringend benötigte Bargeld kam aber
erst nach und nach wieder herein. Wirklich eine harte Zeit.

Dennoch konnte ich in meinem Bett im Elternhaus gegenüber der Kirche und nur
durch die damals sehr schmale Straße von ihr getrennt gut schlafen. Aber was war
das? Ich glaube Pferdegetrampel zu hören. Hatte ich geträumt? Es war erst 5 Uhr
morgens. Plötzlich war ich hellwach, aber das Klappern der Pferdehufe war weiter
deutlich zu hören. Es war also kein Traum sondern Wirklichkeit. Dann fiel es mir wie
Schuppen von den Augen. Wir hatten ja heute am letzten Montag im August den
bekannten Düstermühlenmarkt, und zwar den ersten nach der Währungsreform.
Ich konnte es kaum fassen, dass dieser offensichtlich wieder mit Pferden beschickt wurde
im Gegensatz zu den Märkten vor der Währungsreform. Aber das Getrampel der
Pferdehufe täuschte nicht. Eindeutig – alle Pferde mit ihren Begleitern strebten über
die Dinkelbrücke in Richtung Düstermühle.

Dann sprang ich aus dem Bett und lief schnurstracks in die Backstube. Meine Brüder
Ludger und Tons, der Bäcker- und Konditormeister war, arbeiteten schon seit einiger
Zeit fleißig, so dass der erste Teig geknetet war. Nun sollte der neue, damals
sehr moderne Backofen seine Bewährungsprobe bestehen. Diesen Ofen hatte Tons im
März 1948 von einer Düsseldorfenr Herstellerfirma laut Rechnung für 20000 RM
gekauft.Mündlich war aber vereinbart, dass bei Lieferung Zug um Zug ein ganzes
geschlachtetes Schwein sowie sonstige Naturalien wie Kartoffel und eine Tonne
Steinkohle übergeben werden müssten. Die Steinkohle besorgte Schwager Karl. Seine
Mutter hatte sie von ihrem Bergmannswitwenkontigent zur Verfügung gestellt. Die
Naturalien mussten wir allerdings von unserer kleinen Landwirtschaft abzweigen, was
fast unmöglich war. Wir mussten sie uns nämlich im wahrsten Sinne des Wortes vom
Mund absparen.

Dieser Tauschhandel war natürlich strengstens verboten. Aber irgendwie lief durch
solche damals üblichen Geschäfte allgemein die Wirtschaft wieder an, wenn
auch nur auf Sparflamme. Unsere ganze Familie unterstützte das Vorhaben meines
Bruder Tons unter Zurückstellung von persönlichen Wünschen. Rückschauend war
der nicht ganz legale Kauf des Backofens eine richtige Entscheidung. Der Ofen bildete
nach der Währungsreform den Grundstock für den Wiederaufbau des Geschäftes und
sicherte so den Unterhalt für die ganze 7-köpfige Familie. Dieser Gesichtspunkt sorget
dafür, dass ich das vorsorgende Verhalten meines Bruder Tons verstehen und
nachvollziehen konnte. An seiner Stelle hätte ich warscheinlich genauso gehandelt.
Die Sorge um die eigene Existenz nach der zu erwartenen Währungsreform war
seinerzeit riesengroß und forderte rechtzeitig entschlossendes Handeln.

An diesem Düstermühlenmarkt Montag im Jahre 1948 sollte der Backofen nun endlich
beweisen, was er leisten konnte. Wir hatten Großßes vor. Es sollten 500 der auf
dem Markt so beliebten Apfeltaschen gebacken werden, wahrlich keine kleine Aufgabe.
Die Äpfel waren schon an den Tagen vorher von den Frauen im Haus geschält und zu
Apfelmus verarbeitet worden. Sofort ging ich an die Arbeit und legte dieses Mus
sorgfältigaud die schon ausgeschittenen Teichstückchen. Danach klebte mein Bruder Tons
sie fachgerecht durch Drücken mit den Fingern zu, bevor sie in den Backofen kamen.
Nachdem sie eine schöne goldbraune Farbe angenommen hatten, wurden sie aus
dem (jetzt schon elektrisch beleuchteten) Ofen genommen und bald mit einer dicken
Zuckergussschicht überzogen.

Inzwischen hatte Bruder Ludger unser Pferd Olga vor den Wagen gespannt, der dann
mit großen schwarzen Backblechen beladen wurde, auf denen sich insgesamt
250 Apfeltaschen befanden. Während Tons weiter mit dem Backen von Apfeltaschen
voll beschäftigt war, fuhren Ludger und ich über den Brinker Esch am Hof Bockhold
vorbei Richtung nach Düstermühle. Gegen 6 Uhr kamen wir dort an und suchten
uns einen geeigneten Platz, der bald gefunden wurde. Kurz danach geschah etwas,
mit dem wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Plötzlich tauchte bei unserem
Wagen ein Vertreter des Amtes Legden mit Ausweis auf und verlangte Standgeld,
das wir wohl oder übel zahlen mussten.

Mittlerweile herrschte schon reger Betrieb auf dem Markt. Auf den großen Wiesen
standen in langen Reihen hunderte von Pferden zum Verkauf. Aber auch andere
Händler boten ihre Waren, die man 3 Monate vorher nur auf dem schwarzen
Markt zu Fantasiepreisen hätte erstehen können, nun zu normalen DM-Preisen an.
Die Leute kamen aus dem Staunen nicht heraus. Sie fragten sich immer wieder,
woher nach der Währungsreform die vielen Waren so plötzlich gekommen seien.
Eine Antwort darauf konnte oder wollte niemand geben.

Auch bei unserem Wagenstand blühte das Geschäft. Bald hatte sich eine Schlange
gebildet, und die Kunden riefen: „Do mi oak ne Appeltat, ick will fif un mi giffs
apatt nen Duts Appeltaten“.Wir hatten alle Hände voll zu tun. Gott sei Dank
war genügend Wechselgeld vorhanden. Schon nach einer guten Stunde waren
alle Apfeltaschen, wenn ich mich recht erinnere, zum Preis von 50 Pfennig
verkauft. Ludger fuhr mit Pferd und Wagen sofort nach Heek zurück, um
die 2. Fuhre zu holen, derweil ich die Leute mit dem Hinweis beruhigte, es käme
noch eine 2. Ladung Apfeltaschen.

Jetzt hatte ich ein wenig Zeit, um mich auf den wohl ältestenund größten
Pferdemarkt in der Gegend umzuschauen. Zwei große Zelte waren aufgebaut,
in denen die Musik spielte. Einige Bauern in der Nähe der Düstermühle haben seit
altersher am Marktmontag die „Schankgerechtigkeit“. Das bedeutet, sie dürfen
wie ein Gastwirt Bier und Schnäpse ausschenken und Speisen servieren. In
Scheunen und Zelten geht es dann in jedem Jahr hoch her. Abends wird fleißig
getanzt und manches junges Paar aus den umliegenden Bauernschaften hat sich
hier kennen und lieben gelernt und später geheiratet. Die jungen Männer aus
der Gegend wollen oft nach Alkoholgenuss ihren Mut beweisen.

An ein Ereignis auf dem Düstermühlenmarkt von 1948 erinnere ich mich besonders
gut. Zwar habe ich nur vom Hörensagen davon Kenntnis bekommen. Da es aber lange
für ausgiebigen Gesprächsstoff und für schadenfrohes Gelächter sorgte, bin ich ganz
sicher, dass es stattgefunden hat. Abends gegen 22 Uhr herrschte große Aufregung.
Mehrere Marktbesucher und einige junge Burschen auf der Dinkelbrücke hatten
gesehen, wie ein betrunkener junger Mann aus Heek wankend auf das Brückengeländer
geklettert war und von dort in voller Kleidung einen „Köpper“ in die Dinkel machte
und nicht mehr auftauchte. Auch bei näheren Nachschauen an der schwachbeleuchteten
Brücke fand man ihn nicht. Man wollte schon eine Suchaktion starten, als der Heeker
plötzlich auf einem Pättken entlang der Dinkel aus der Dunkelheit wie ein Gespenst
hervortrat. Dann steuerte er pitschnass und triefend, aber freundlich lächelnd, als ob
überhaupt nichts geschehen wäre, auf seine Kameraden auf der Brücke zu und soff
mit diesen in nasser Kleidung munter weiter. Es soll sich um eine Wette zwischen
jungen Burschen aus Heek gehandelt haben.

Bei meinem weiteren Gang über den Markt war ich überrascht und beeindruckt darüber,
dass er weitgehend ein Spiegelbild der letzten Märkte vor dem 2. Weltkrieg war:
Viele Pferde, viele Kleinhändler, ein Berufsfotograf und viele, viele Besucher. Die große
Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen, die in den späteren Jahren den Markt
beherrschte, gab es damals aber noch nicht. Es war wie in alten Zeiten in erster Linie ein
Pferdemarkt, überall herrschte lebhaftes Treiben. Jung und Alt bevölkerten den Markt.
Darunter zahlreiche „Seeleute“, die nur schauen, aber kein Pferd kaufen oder verkaufen
wollten.

Inzwischen war auch der Pferdemarkt voll im Gange. Es wurde gefeilscht und gehandelt.
Pferde wurden im Trapp vorgeführt, dann wurden die Mäuler aufgerissen,
um an den Zähnen das Alter der Tiere festzustellen. Der Höhepunkt war immer der
Handel um den Preis. Viele Male ging der Handschlag hin und her. Der Käufer fragte:
„Wat kost dat Perd?“ „Väerhunnert Mark“ antwortete der Verkäufer. Daraufhin ergriff der
Käufer spontan dessen Hand, schlug kräftig ein und rief: „Zweehunnert hatte niee Mark
un kinnen Pennig mäer“. So ging es eine Zeitlang weiter bis es schließlich bei einem
Preis von 300 DM von beiden Seiten zum letzten Handschlag kam, mit dem der Kauf
seit alten Zeiten besiegelt wurde. Der Verkäufer erhielt sein Geld in bar und der Käufer
strebte mit seinem Pferd stolz heimwärts. Selbst unser Pferd Olga wollte man kaufen.
Hartnäckige Berufshändler machten nach und nach ein immer höheres Angebot, um
das unverkäufliches Tier doch noch zu erwerben.

Mittlerweile war Ludger mit der 2. Fuhre zurück. Auch diese Apfeltaschen gingen
weg wie warme Semmel, so dass wir schon bald den Heimweg antreten konnten.
Zuhause angekommen, war aber noch lange kein Feierabend. Jetzt am späten
Nachmittag kamen die ersten Marktbesucher aus Nienborg, Epe und Gronau zurück.
Viele machten in Heek Station und kehrten bei uns ein.Bald war die Gastwirtschaft voll
besetzt. Nun zog ich per Hand unser altes Grammophon auf und legte in Art eines
Discjockey eine Schallplattenach der anderen auf. Meine zwei Schwestern Hanni und
Agatha bedienten freundlich und schnell. Dennoch hatten sie Mühe den vielen
Wünschen nach Bier, das Bruder Tons zügig zapfte, nachzukommen. Als der Walzer
„Wienerblut“ ertönte, fingen die ersten Paare an zu tanzen. Beim Walzer „Donau so blau“
wurde der Höhepunkt erreicht.Wenn auch schon viel Geld aud dem Düstermühlenmarkt
ausgegeben worden war, so waren doch diejenigen, die ein Pferdverkauft hatten,
recht spendabel und warfen eine Runde nach der anderen. Die Stimmung stieg
ständig, es wurde fröhlich gesungen und gezecht. Ursprünglich hatte man sich
auf dem Wege nach Hause bei uns nur einen „Absacker“ genehmigen wollen. Nun war
aber die Zeit im Fluge vergangen. Erst so gegen 23 Uhr machten sich auch die letzten
heiter und von Walzermelodien beschwingt auf dem Heimweg. Nun hatten auch wir
endlich nach einem langen und geschäftlich sehr erfolgreichen Tag Feierabend.

Wenn ich heute nach 60 Jahren Resümee über den ersten Düstermühlen Markt
nach der Währungsreform ziehen soll, so wage ich die Behauptung, dass das später
so gepriesene Wirtschaftswunder des Prof. Erhard wir schon damals im kleinen erlebt
haben. Jeder war mit seinem sog. „Kopfgeld“ von 60 DM angefangen und auf sich
selbst gestellt. Aber keiner resignierte sondern suchte vielmehr fantasiereich nach
eigenem Erwerb der harten Deutschen Mark. So hatte z.B. der Fotograf, in einer Zeit,
in der kaum jemand einen Fotoapparat hatte, eine Marktlücke entdeckt. Er machte
gute Geschäfte bei einem Preis von 5 harten DM pro Bild, eine beachtliche Summe
so kurz nach der Währungsreform. Das, was man heute mit dem Modewort „Innovation“
bezeichnet, wurde seinerzeit schon praktiziert, ohne dass man den Begriff überhaupt
kannte. Jeder versuchte unter Einsatz seiner ganzen körperlichen und geistigen
Fähigkeiten, irgentetwas auf die Beine zu stellen, um finanzell unabhängig zu werden.
So waren wir besispielsweise weder vor 1948 noch später je wieder als Verkäufer
von Backwaren auf dem Düstermühlenmarkt gewesen. Aber damals haben uns der
Verkauf von Apfeltaschen, der eine Idee meines Bruder Ludger war, und der gute
Umsatz in der Gastwirtschaft vor einem finanzellen Engpass bewahrt und so dazu
beigetragen, dass in den ersten Jahren danach weiter die Geschäfte bestens liefen.

Aber auch die Großhandelsfirmen die plötzlich ihre Kunden wieder aufsuchten und
deren Vertreter meist umständlich mit dem Zug anreisen mussten, passten sich ganz
schnell der neuen Lage an. So erinnere ich mich noch deutlich daran, dass die
Kaffeegroßrösterei Vox in Münster den langen entbehrten und daher so begehrten
Bohnenkaffee in kleine würfelförmige Päckchen von je 50 g verpackte und auf den Markt
warf. Der Absatz war auch in Heek riesengroß, trotz des hohen Preises von 7,50 DM je
Päckchen. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Es kostete also das
Kilogramm gerösteter Kaffeebohnen sage und schreibe satte 150 DM; und dies direkt
nach der Währungsreform, als das Bargeld äußerst knapp war. Das kann man heute
kaum nachvollziehen, weil man jetzt immer den allerbesten Bohnenkaffee um vieles
billiger kaufen kann.

Ja – die ersten Jahre nach der Währungsreform waren schon eine ungewöhnliche Zeit.
Das ich überhaupt diese Erinnerungen niedergeschrieben habe, ist einem reinen
Zufall zu verdanken. Meine am 30. August 2006 im Alter von 84Jahren verstorbene
Schwester Agatha hat mir das einzige Bild von meinem Bruder Ludger mit seinem
Pferd Olga hinterlassen. Erst dieses 1948 auf dem Düstermühlenmarkt geschossene
Foto hat in mir meine Erinnerungen an die schon fast vergessene besondere,
um nicht zu sagen verrückte Zeit kurz nach der Währungsreform wieder wachgerufen.

Textquelle: Heimat und Rathausspiegel der Gemeinde Heek / Ausgabe Dez.2007

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Die Düstermühle in Legden

An der Landstraße 570 von Ahaus nach Schöppingen liegt in der Bauerschaft Wehr
an der Dinkel die Düstermühle. Im Jahre 1151 wird sie gemeinsam mit dem Schulzenhof
Everding in dem Güterverzeichnis des Damenstiftes Asbeck aufgeführt. Mit Korn- und
Ölmühle war sie eine der typisch münsterländischen Doppelmühlen. Die Ölmühle
ist schon vor langer Zeit abgerissen worden, auf den alten Fundamenten steht heute
ein Schuppen. Im Zuge der Säkularition wurde das Sift Asbeck aufgelöst. Das
Grundvermögen fiel 1805 an den Rhein – und Wildgrafen von Salm Horstmar. Auf
einem Stein über der Tür der alten Mühle befindet sich die Inschrift „Freyin Maria
Katharina von Galen vom Hause Ermelinghof Abtissin zu Asbeck hat dies Mühle von
Neuem aufgebauen lassen. Anno 1799 den 15ten Oktober“. An eine Renovierung im
Jahre 1939 erinnert ein Wappenstein in der Giebelwand. 1926 wurden die Mühlenräder
durch eine Wasserturbine ersetzt, mit der über einen Dynamo auch Lichtstrom erzeugt
werden konnte, der nicht nur die Mühle, sondern rund 40 benachbarte Haushalte
versorgte. Heute wird die Kornmühle nicht mehr genutzt. Eine Attraktion der
Düstermühle war und ist der bekannte Pferdemarkt jeweils am letzten Montag im
August. An diesem Tage haben von alters her die Bauernhäuser in der Nähe Schankrecht.
Dann gibt es jährlich ein fröhliches Wiedersehen, das kräftig begossen werden muß.

Text Quelle: Alte Mühlen im Münsterland von Alois Schwarz und Bernhard Fritsche Aschendorf Verlag

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